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Santo Stefano, die Sieben Kirchen

Man nennt sie die Sieben Kirchen, doch heute sind es vier. Drinnen warten ein Jerusalem im Kleinformat, ein Becken, das mit Pilatus nichts zu tun hat, und ein steinerner Hahn.

2. November 2026

Die Backsteinfassade der Basilika Santo Stefano an ihrem Platz

Fünf Minuten von den Zwei Türmen entfernt gibt es einen Ort, an dem der Lärm der Stadt schlagartig verstummt. Man kommt auf die Piazza Santo Stefano, drückt eine Tür auf und steht in einem kleinen Dorf aus Backstein: Kirchen, die ineinander verschachtelt sind, Höfe, ein Kreuzgang, sogar ein Hahn. Die Bologneser nennen es le Sette Chiese, die Sieben Kirchen, und schon der Name ist die erste Überraschung.

Sieben? Sagen wir vier

Jahrhundertelang zählte der Komplex sieben sakrale Bauten. Dann wurde zwischen dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert restauriert, abgerissen, zusammengelegt und neu gebaut, und heute gibt es vier echte Kirchen: den Crocifisso (Kruzifix), den Santo Sepolcro (Heiliges Grab), Santi Vitale e Agricola und die Trinità (Dreifaltigkeit). Der alte Name ist geblieben, und in Bologna denkt niemand daran, ihn zu ändern. Rechnet man Höfe, Kreuzgang und Museum mit, kommt man übrigens wieder auf sieben Orte.

Ein Jerusalem um die Ecke

Hier stapeln sich die Jahreszahlen. Der Überlieferung nach stand an dieser Stelle ein römischer Isis-Tempel. Ende des 4. Jahrhunderts wurden hier die Gebeine von Vitalis und Agricola beigesetzt, den ersten Märtyrern Bolognas. Im 5. Jahrhundert soll Bischof Petronius, heute Stadtpatron, die heiligen Stätten Jerusalems in Bologna nachgebaut haben wollen. Daher der zweite Name des Komplexes: Santa Gerusalemme, Heiliges Jerusalem.

Herzstück dieser Idee ist das Heilige Grab, eine achteckige Kirche, die das Grab Christi nachbildet. Nach den Ungarneinfällen im 10. Jahrhundert beschädigt, wurde sie von Benediktinermönchen wieder aufgebaut. Jahrhundertelang barg sie den Leichnam des heiligen Petronius, der im Jahr 2000 in die ihm geweihte Basilika an der Piazza Maggiore überführt wurde.

Das Becken des Pilatus (das nicht von Pilatus ist)

Hinter dem Grab öffnet sich der Hof des Pilatus mit seinen romanischen Backsteinarkaden. Der Name erinnert an den Ort in Jerusalem, an dem Jesus verurteilt wurde. In der Mitte steht ein großes Steinbecken, das alle nur catino di Pilato nennen, die Schüssel des Pilatus. Tatsächlich ist es langobardisch, aus dem 8. Jahrhundert: Eine Inschrift nennt die Könige Liutprand und Hildeprand, die es gestiftet haben sollen. Pilatus hat sich darin also nie die Hände gewaschen. Aber versucht mal, einen Bologneser dazu zu bringen, es anders zu nennen.

Schaut euch auch die Säulen der Arkaden genau an: Auf einer sitzt ein Hahn aus Stein, der „Hahn des heiligen Petrus“. Er erinnert an das Krähen, das in den Evangelien auf die Verleugnung des Apostels folgt. Wir stellen uns gern vor, dass er auch Wache hält.

Die anderen Kirchen

Hinein geht es fast immer durch die Kirche des Crocifisso, langobardischen Ursprungs. Darunter liegt die Krypta mit den Reliquien von Vitalis und Agricola, ein kleiner Wald aus lauter verschiedenen Säulen. Eine davon soll Petronius der Legende nach aus dem Heiligen Land mitgebracht haben, und sie sei genau so groß wie Christus: etwa ein Meter siebzig. Man möchte sich unwillkürlich danebenstellen und sich messen.

Die Kirche Santi Vitale e Agricola, schlicht und streng, hat den ältesten Ursprung und wurde im 12. Jahrhundert neu errichtet. Die Trinità dagegen wurde Ende des 19. Jahrhunderts im neuromanischen Stil wieder aufgebaut. Sie bewahrt eine Gruppe bemalter Holzfiguren aus dem 14. Jahrhundert mit der Anbetung der Könige, farbig gefasst von Simone dei Crocifissi: Sie gilt als eine der ältesten bekannten Krippen aus Figuren. Im Dezember ist das ein besonderer Anblick.

Kreuzgang und Museum

Am Ende des Rundgangs liegt der mittelalterliche Kreuzgang der Benediktiner mit zwei übereinanderliegenden Loggien. Genau der richtige Ort, um sich eine Minute zu setzen und nach oben zu schauen. Daneben zeigt ein kleines Museum Gemälde, Reliquiare und das Fragment eines Freskos aus dem 13. Jahrhundert mit dem Kindermord von Bethlehem, ein Überbleibsel der Ausmalung des Grabes.

Praktischer Tipp. Das ist bis heute ein Ort des Gebets: angemessene Kleidung, leise Stimme und keine Besichtigung während der Gottesdienste. Die Öffnungszeiten findet ihr vor dem Besuch auf der offiziellen Website von Bologna Welcome. Setzt euch beim Hinausgehen noch kurz auf die Piazza Santo Stefano: Sie ist eines der schönsten „Wohnzimmer“ der Stadt.

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